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Server-Konsolidierung – aber richtig

Strategien für das Linux-basierte Büro

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Die Ulrich Wilsch GmbH & Co KG in Grünwald bei München ist ein ziemlich normales Unternehmen. Nur etwas ist anders als in den meisten Firmen: Es gibt (fast) keine Microsoft-Anwendungen. Auch nicht für die typischen Büroarbeiten, die hier genauso anfallen wie überall im Geschäftsleben: Das Erstellen von Texten, die Aufbereitung von Präsentationen, der Versand von E-Mails – all das passiert ohne Word, Powerpoint oder Outlook.

Ein Konzept entsteht

Das 1970 gegründete Unternehmen vertreibt gebrauchte und neue Computer-Systeme im Midrange-Bereich und bietet ein kundenindividuelles Beratungs- und Sizing-Konzept, insbesondere für die iSeries. Als die IBM für diesen Midrange-Server im Jahr 2000 eine native Linux-Umgebung ankündigte, begannen bei Wilsch die Vorüberlegungen zu einem Konsolidierungskonzept aller Anwendungen, Dienste und Daten auf der Maschine, die für das Unternehmen im Zentrum steht, eben auf der iSeries.

Die Gründe dafür lagen zum einen in der Unzufriedenheit des Inhabers Ulrich Wilsch und seiner Techniker mit der aufwendigen und teuren Verwaltung einer Microsoft-Büro-Umgebung: „Fat Clients“ auf jedem Schreibtisch und die dazu gehörigen Server nahmen Zeit und Nerven des IT-Teams in Anspruch, während die weitaus wichtigere ERP-Anwendung stabil und fast administrationsfrei auf einer bei weitem nicht ausgelasteten iSeries lief. Dazu kam das damals heiß diskutierte und bis heute nicht unumstrittene neue Lizenzmodell von Microsoft. Zum Anderen wollte Ulrich Wilsch die innovative Technik der IBM aber auch seinen Kunden nahe bringen, und zwar anhand einer im eigenen Unternehmen praktisch erprobten Lösung.

Aller Anfang ist schwer

Auf den Beschluss zur Umstellung auf Linux als Betriebssystem für alle Office-Anwendungen folgte eine Phase des Suchens und Ausprobierens. Linux-fähige Produkte gab es bereits reichlich, aber was war wirklich geeignet? „Im Grunde war das der zeitaufwendigste Teil des Linux-Projekts“, erklärt Ulrich Wilsch im Nachhinein. „Und natürlich haben wir zunächst auch Abstriche machen müssen. Aber inzwischen läuft der gesamte Bürobetrieb längst völlig reibungslos.“

Ein Server für Alles

Zentrale Verwaltung aller im Unternehmen benötigten Anwendungen auf einem Server und echte „Thin Clients“ auf den Arbeitsplätzen – damit geht die Lösung bei Wilsch weit über das hinaus, was beispielsweise Citrix den Microsoft-Anwendern in punkto Zentralisierung bieten kann. „Citrix war seinerzeit ein echter Fortschritt, um den Wildwuchs einer dezentral organisierten EDV wieder einzudämmen,“ konstatiert Hans Bonfigt. „Allerdings konnte Citrix die Zentralisierung nicht konsequent bis zum Ende betreiben, weil Dienste und Anwendungen nicht auf einer Hardwareinheit zusammengeführt werden können. Das ist ein Microsoft systemimmanentes Problem. Und mit jedem weiteren Server wird die Citrix-Verwaltung komplexer ...“ Auch eine Integration mit anderen Betriebssystemen wie eben dem OS/400 der iSeries wäre mit /Microsoft/Citrix nativ auf der AS/400 nicht möglich gewesen.

Wie alle Unix-Derivate trennt Linux zwischen Programmlogik und Grafiklogik. Dadurch ist der Ressourcenverbrauch durch die Officeanwendungen selbst bei bis zu 100 („normalen“) Anwendern in der Regel unkritisch. Das liegt daran, dass der Applikationsserver nur die Logik, nicht aber das grafische Benutzer-Interface „bedienen“ muss. Eine iSeries Modell 270 (Zwei- Wege-Maschine) mit der entsprechenden Linux-Partition schafft das ohne weiteres. Die Vorteile sind enorm. Alles, was die Programmverwaltung betrifft (also zum Beispiel Updates) wird wirklich nur einmal zentral für alle Anwender durchgeführt. Der Datentransfer zwischen OS/400 und Linux geschieht intern über ein virtuelles LAN, sodass ein unautorisierter Datenzugriff nicht möglich ist. Auch die Datensicherung findet nur ein einziges Mal statt und bietet zugleich einen tatsächlichen „Snapshot“ der gesamten Unternehmens-IT.

An den einzelnen Arbeitsplätzen gibt es bei Wilsch außer der Tastatur und der Maus keine Eingabeschnittstellen mehr. Will jemand eine CD einlesen, muss er dies über den Systemadministrator erledigen lassen. Das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass keine Viren eingeschleppt werden können und Daten nicht unberechtigt in das System eingelesen oder vom System abgezogen werden können. Alle Anwendungen wie OpenOffice, Mozilla (Browser und Mail Client), eine 5250-Terminalemulation (tn5250 oder X.52 von Unicon), GMC oder Nautilus (Dateimanager) und sogar die Arbeitsoberfläche jedes Benutzers liegen parallel zur OS400 basierten ERP Lösung auf einer einzigen Maschine (in diesem Fall einer IBM 9406-270-2434). Für die Datenbestände zu allen Applikationen gilt das Gleiche: Alles befindet sich auf einem Server.

Es geht auch mit Microsoft

Bei Wilsch hatte man zunächst das Ziel, Microsoft vollständig aus dem Unternehmen zu verbannen. Das wäre in diesem speziellen Fall auch möglich gewesen. In vielen Unternehmen sieht die Realität aber anders aus: Es gibt spezielle Microsoft- Anwendungen, die nicht oder nur mit riesigem Aufwand ersetzbar sind. Wichtige Kunden erwarten eine Bearbeitung von Lieferscheinen und ähnlichem per E-Mail nach ihren fest definierten (Microsoft-)Standards und erklären kühl, den Auftrag eben anders zu vergeben, wenn der Lieferant diese Dokumente nicht entsprechend bearbeitet. Um das Konzept erfolgreich zu vermarkten, musste also den Bedürfnissen einer Vielzahl von Anwendern nach weiterer Verfügbarkeit ihrer Microsoft-Anwendungen Rechnung getragen werden.

Ohne sich von der Serverkonsolidierung und den Thin Clients zu verabschieden, wurde auch dieses Problem inzwischen gelöst. Es gibt schon länger die Möglichkeit, Intel-Prozessoren in die iSeries einzubauen, auf denen sich eine Microsoft-Umgebung implementieren lässt. Damit befinden sich auf der iSeries drei Betriebssysteme: das OS/400, Linux und Windows, die jeweils auf die gleichen Daten zugreifen.

Bindeglied zwischen Windows und OS/400 ist Linux, es übermittelt die jeweils benötigten Microsoft-Applikationen an die Anwender-Arbeitsplätze. Für den Benutzer ändert sich nichts: er meldet sich an seinem Linux-Arbeitsplatz an und ruft die jeweils benötigten Anwendungen aus dem Linux-Desktop auf – ob das nun Microsoft-, AS/400- oder Linux-Applikationen sind. „Mit dieser Lösung haben wir das „Missing Link“ gefunden, um unsere Server-Konsolidierungsstrategie auf breiter Ebene propagieren zu können,“ freut sich Ulrich Wilsch. „Für viele Unternehmen geht es eben nicht oder nicht ganz ohne Microsoft. Dem können wir Rechnung tragen, ohne dass der Kunde auf die Vorteile unserer Lösung verzichten muss: zentrale Administration, schlanke Verwaltung der Arbeitsplätze und Reduzierung der Lizenzkosten – und dass es funktioniert, kann ich jedem Interessenten in meinem eigenen Unternehmen zeigen. Übrigens: ganz ohne Microsoft kommen (leider) auch wir nicht aus: Das Electronic Banking für unsere vier Firmen liegt auf einem Integrierten Intel Server.“